• Monalitha

Die Empfängnis - Teil 2


Teil 2 "Das Fest"


Seit Ganesha´s Geburt sind bereits 9 Tage verstrichen und ich gehe in meiner neuen Rolle als Mutter vollkommen auf. Es ist so, als wäre ich dazu geboren worden, ich spüre es einfach Kopf bis Fuß, dass es so sein muss.

Mein Mann Shiva konnte seinen Sohn Ganesha noch gar nicht richtig Kennenlernen, denn am zweiten Tag nachdem Ganesha geboren war, wurde er wieder einmal zu einem dringenden Einsatz abkommandiert. Diesmal hat es mich gar nicht so interessiert, was er nun tun musste.

Aber Morgen würde er wieder bei mir sein - dann, wenn das große Segnungsfest geplant ist. Ich hatte bereits alles vorbereitet, die Speisen in der Speisekammer warten nur darauf ausgepackt und verzerrt zu werden. Während Ganesha an meiner Wange lehnt und ich ihn hin und her wiege, denke ich daran zurück, wie ich Shiva nach einem großen Streit zurück gewonnen hatte.

Der Streit brannte auf, nachdem Shiva Tagelang nur meditiert hatte und ich die endlose Langeweile einfach satt hatte. Wir hatten überhaupt nichts mehr voneinander gehabt - weder mein geliebtes Würfelspiel, was ich immer mit ihm spielte, noch durfte ich ihm nichts mehr kochen! Was war ich dann noch für ihn?

Wie hatte es da nur geknallt zwischen uns! Das ganze Universum wurde erschüttert, Blitz und Donner fuhr hernieder und unten auf der Erde stürmte und regnete es 5 Tage lang ununterbrochen.

Doch bald hatte ich mein Wutausbruch bereut und ich Vishnu hatte eine Idee, wie ich Shiva wieder besänftigen und neu gewinnen könnte.

Ich organisierte also ein Fest mit wunderbarem Essen, Musik und Tanz. Ganz so, wie er gesagt hatte. Dann legte ich die buntschillerndsten Gewänder an, die ich besaß. Hängte mir Perlen um, schmückte mich mit Rosen und hüllte mich in eine sanfte Duftwolke voll getränkt mit Sandelholz. All das in Kombination zwang ihn einfach dazu mich anzusehen. Ich tanzte vor ihm zur Musik und bezirzte ihn mit meinen Blicken, dass so manch andere Frau neidisch auf meine Künste war und den Männern weich in den Knien wurde. Schließlich verbrachten wir eine wunderbare Nacht zusammen und beschlossen gemeinsam am nächsten Tag zum Berg Kailash zu ziehen und uns dort - fern ab von allem - ein friedliches Zuhause zu bauen. Ich stamme nämlich ebenfalls von einem Berg und fühle mich auf so etwas schnell sehr heimisch.


Der nächste Abend ist da. Shiva würde genau zu Beginn des Festes kommen, wenn die Sonne den Horizont berührt hatte.

Die ersten Gäste sind bereits angekommen und haben meinen Ganesha bereits bewundert angesehen. Viele meinen zu mir, sie hätten noch nie einen schöneren Jungen gesehen. Ein neuer Gott - auch wenn es erstmal nur ein kleiner Junge war - ist immer etwas besonderes. `Nesh - wie ich ihn heimlich getauft habe - gluckst vergnügt und schaut jedem, der sich über seine Wiege beugt, lange in die Auge. "Das ist aber ein ganz tiefer Blick." Eine alte Frau hatte das gesagt, deren Namen ich nicht kannte. Sie richtet sich wieder auf und schaut mich direkt an. "Er wird mal ein sehr weiser Gott werden", raunt sie mir zu. "Doch dafür braucht es ein Opfer." Noch leiser fügt sie hinzu, so dass ich mich nah zu ihr beugen muss: "Pass gut auf deine Lieben auf!" Während ich ihr noch schauernd nachblicke, gesellt ich meine Freund Sati zu mir. "Was wollte die Alte denn von dir?" Spricht sie mich an. "Sie warnte mich, ich solle gut auf meine Lieben aufpassen. Ganesha würde einmal ein sehr weiser Gott werden, doch dafür bräuchte es ein Opfer." Antworte ich ihr. Sie nickt und blickt mich nachdenklich an. "Mach dir mal keine Sorgen, sie wahrsagt gerne anderen die Zukunft voraus oder stellt Vermutungen an." "So?" Ich blicke beunruhigt wieder in die Richtung, in der die Alte verschwunden ist. "Kennst du sie etwa?" Sati schüttelt den Kopf. "Ich habe nur von ihr gehört, sie soll etwas gruselig sein und manchmal die Kinder erschrecken." Immer noch beunruhigt schaue ich´Nesh an und hebe ihn aus der Wiege. Das meine Freundin nun da ist, betrachte ich als ein Segen, denn wir beide stehen uns sehr nahe. Wir beide glauben fest daran, dass ich in einem früheren Leben sie gewesen bin und umgekehrt ist sie ich ist in der Zukunft - also jetzt. Sehr verwirrend, oder? Das finden wir auch. Deshalb sprechen wir auch so gut wie nie darüber. Es reicht schon, dass wir Götter im Gottesreich sind und wir ewig leben. Außer wir nehmen irgendwann eine neue Gestalt an. "So wunderschöne Augen hat er." Bewundert streicht Sati Ganesha über das Gesicht. "Sind die von dir oder von Shiva?" Fragend schaut sie mich. Ich hebe die Schultern. "Tja, ich weiß nicht so recht. Irgendwie sieht er keinem von uns ähnlich.

"Aber Parvati." Etwas erschrocken drehe ich mich um. Vishnu, diesmal in Gestalt von Rama ist an uns herangetreten. Auch Sati blickt sich um. "Götter Kinder haben doch nie das Aussehen ihrer Eltern. Sie sind ihr eigenes Universum!" Klärt er uns auf. "Ach so."

Bedauernd streiche ich ´Nesh über den Kopf. Plötzlich höre ich seine Stimme direkt in mein Ohr wispern: "Ich weiß übrigens, wie du deinen Sohn nennst. ´Nesh ist ein schöner Spitzname!" Er geht an mir vorbei, zwinkert mir zu und stellst sich dann in die Mitte des Platz. "Es wird Zeit!" Seine Stimme hallt über den Platz und weckt die Aufmerksamkeit jeden Gottes. Sie fangen an, sich langsam in einem gigantischen Kreis aufzustellen. Sortiert nach Größe, Aufgaben und Wichtigkeit im Götter- Universum. Mit Sati im Schlepptau geselle ich mich dazu. "Läuft da was zwischen euch?" Sati blickt mich mit fragenden Augen an. Ich erröte - soweit das noch mehr möglich war, denn durch Rama´s Kommentar hatten sich meine Wangen bereits verlegen gefärbt. "Nein", murmele ich in Ganesha´s Haare. "Er half mir nur bei der Befruchtung!" "So, so." Sagt sie noch, doch belässt es dabei. Suchend lasse ich meinen Blick durch die Götterschar wandern. Nirgends kann ich Shiva entdecken und auch mein Bruder ist nirgends zu sehen. Schnell laufe ich zu Rama hin, bevor dieser mit seiner Rede beginnen kann. "Shiva ist noch nicht zurück und auch mein Bruder ist nicht da" , sage ich zu ihm, als ich bei ihm ankomme. Allerdings denke ich gleichzeitig darüber nach, dass mein Bruder wohl nicht kommen würde. Er hat nämlich eine unglaublich sture und hitzköpfige Ehefrau, die sehr schnell eifersüchtig werden konnte. Es wird gemunkelt, sie habe mein Bruder mit irgendeinem Fluch belegt, der ihn von großen Versammlungen fernhalten sollte. Doch ich wünsche mir sehr, er würde einen Blick auf ´Nesha werfen. Außerdem hatte ich ihn schon Jahrelang nicht mehr gesehen.

Als hätte er meine Gedanke gelesen, sagt Rama: "Dein Bruder kommt doch selten zu so etwas", er macht dabei eine ausschweifende Handbewegung. "Wegen seiner Frau! Wir müssen anfangen, ich habe schließlich nicht die ganze Nacht Zeit! Gib mir jetzt Ganesha, damit wir ihn segnen können." Wiederstrebend übergebe ich ihm Ganesha. Der Kleine ist nun ganz still geworden, als spüre er etwas großes auf sich zu kommen.

Rama fängt an, große Handbewegungen über Ganesha zu machen. Staunend beobachte ich die Prozedur. Der Kreis wird nun enger um uns geschlossen und jemand fängt ein monotonen Singsang an, der von allen aufgenommen wird. Sie fangen außerdem rhythmisch mit den Füßen an zu stampfen. Wenn das nicht so ein wichtiger Augenblick gewesen wäre, dann hätte ich glatt in Lachen ausbrechen können, so komisch sieht das aus, was sie machen.

Doch gleich danach wird mir wieder der Ernst der Lage bewusst, denn auf einmal wird Ganesha in eine Art durchsichtigen Blase gehüllt und hoch in die Lüfte gehoben. Rama ist auch nicht mehr zu sehen, ich vermute, er hat sich in die schützende Blase verwandelt, um Ganesha zu schützen. Die Blase fliegt zu jedem der Götter hin und diese berühren ihn einmal mit der linken Hand und Pusten ihn weiter. Schließlich ist er einmal bei jedem gewesen und kommt zurückgeschwebt. Doch statt wie erwartet bei mir zu landen, hält ihn auf einmal Shiva fest, der neben mir getreten ist. Ich lächle ihm erleichtert zu und zusammen halten wir Ganesha fest, bis Rama sich aus der Blase heraus wieder in eine Fleischliche Gestalt verwandelt.


Wenig später sitze ich mit meinem Sohn und Mann neben mir auf dem festlich geschmückten Elefanten und schaue dem lustigen Treiben unter mir zu. Wir lassen uns Früchte aus einem Korb schmecken und Ganesha nuckelt an seinem Finger. Shiva und mir wurde vorhin von einem dünn aussehendem Maler eingebläut ganz still zu sitzen, uns nicht zu bewegen, damit er uns malen konnte. Etwas angespannt, darauf achtend den Mund nicht all zuviel zu bewegen frage ich Shiva: "Wo warst du so lange?" Eine kleine Pause entsteht, während er wohl über seine Antwort nachdenkt. "Tut mir Leid, dass ich so Spät war. Nandi hatte sich verletzt. Auf dem Weg ist er leider fast den Abhang heruntergestürzt", keine Sorge beschwichtigt er mich, als ich ihn erschrocken anblicke. Nachdem sich der dünne Maler laut verärgert über mich geräuspert hat, drehe ich mich wieder in meine Ausgangsposition. "Und wo ist der Stier jetzt?" "Bei deiner Schwägerin", antwortet er und diesmal schaue ich ihn erstaunt an. Dabei ignoriere ich den abermals mürrischen Laut des Malers. "Wie kommt das denn?" "Na ja. Ich traf sie im Tal der weichen Klänge. Ganz hier in der Nähe, du weißt schon." "Ja, ja" , rufe ich etwas ungeduldig aus und drehe mich wieder nach vorne. "Und, was wollte sie da?" Shiva ist der Unterton in meiner Stimme nicht entgangen. "Ich weiß es nicht, vielleicht Kräuter sammeln, so wie du es dort manchmal tust." Ich schnaube tief durch die Nase. "Klar, Kräuter sammeln. Weil sie das auch so gut kann. Ausspionieren wollte sie mich. Ganz sicher!" "Meinst du?"Verwirrt und etwas besorgt klingt Shiva´s Stimme. Dann sagt er erstaunt: "Hey. Da ist Nandi ja!" "Was?" Vor lauter Enthuisasmus verrutscht mir das Schultertuch in dem ´Nesha liegt und er fängt an herum zu quängeln. "Shhh, shhh", versuche ich ihn zu beruhigen, während ich mir gleichzeitig halb den Hals verrenke, um nach Nandi Ausschau zu halten. Auf einmal entdecke ich ihn zwischen all den tanzenden Körpern. "Ich seh´ihn. Aber da ist ja mein Bruder! Shani!" Winkend versuche ich mein Bruder auf mich Aufmerksam zu machen. Aber als er näher kommt, fällt mir seine Augenbinde auf. "Was ist denn mit ihm?" Besorgt schaue ich kurz meinen Mann und dann wieder Shani an. "Ich muss zu ihm." Shiva berührt meinen Arm. "Nicht. Bleib hier Parvati." "Aber wieso? Ich muss doch wissen, was mit ihm ist!" Ärgerlich winde ich mich aus Shiva´s Griff und springe mit einem kleinen Hopser vom Elefanten und eile auf Shani zu. Dieser ist mittlerweile mitten in der Menge stehen geblieben und streichelt Nandi. Dieser hat einen Verband um den rechten Hinterlauf geschlungen. "Shani, ich bin es. Was machst du hier?" Lachend will ich ihn umarmen, doch er weicht zurück. "Was ist mit deinen Augen?" Sanft berühre ich seine Augenbinde.

"Parvati", sagt er. "Gut, dass ich dich gefunden habe. Nandi ist ein guter Spürhund." Er lacht nervös auf und tätschelt abermals Nansi´s Hals. "Ich wollte unbedingt kommen und dein Kind bewundern." "Wie schön." Ich bin so überglücklich darüber, dass ich meinen Bruder endlich mal wieder sehen kann, dass ich die dunklen Wolken, welche sich über den Horizont auftun und drohendes Unheil verkünden, nicht bemerke. Auch, als die ersten Regentropfen mein Gesicht berühren, kümmert es mich nicht. Ich will nur, dass Shani mein Ganesha endlich ansehen würde. Allmählich leert sich der Platz, bis irgendwann nur noch Shiva, mein Bruder, Nandi, Vishnu, Sati und ich dastehen und uns mittlerweile der Regen in Strömen den Körper hinabperlt.

"Wollen wir nicht mal in dein Haus gehen, Schwester?" "Nein, erst möchte ich, dass du dir Ganesha ansiehst! Hier" , ich halte ihn ihm entgegen. Ganesha schreit und windet sich in meinen Armen. Zum einen ist es bitterkalt geworden - es pfeift ein eisiger Wind - doch ich ignoriere alles um ihn herum. Wieder weicht mein Bruder vor mir zurück. "Parvati, sei vernünftig und lass uns reingehen!" Shiva nimmt ein drittes mal mein Arm und ich schreie laut: "Nein!!" Dabei reiße ich mich abermals von Shiva los und die Binde von Shani´s Augen. Ich sehe, wie er gerade noch die Augen schließt. "Wieso schaust du ihn nicht an", rufe ich ihm entgegen. "Bitte, lass"; bettelt er und nun halten mich Vishnu und auch Sati zurück. Letztere flüstert mir ins Ohr: "Beruhige dich doch! Lass Shani erklären!"


Doch ich wollte nicht, dass mir irgendjemand etwas erklärte. Ich war unheimlich wütend und aufgebracht, woher das kam, dass konnte ich beim besten Willen nicht mehr sagen. Hätte ich doch nur auf die anderen gehört, dann wäre jetzt alles gut.


"Schau ihn an!" Und Shani tut es und gibt nach. Als er die Augen öffnet und sein Blick auf Ganesha fällt geht alles so schnell, dass ich mich später nicht mehr an Einzelheiten erinnern kann. Das Einzige, was ich sicher weiß ist, dass der wunderschöne Kopf mit dem vollen Haar, die zarten Wimpern, die feinen Gesichtszüge von Ganesha mit einem mal zu Asche zerbröseln und sie als feiner Staub zermalen durch den Wind davon getragen werden.


Ende Teil 2





Gott Ganesha:

https://wiki.yoga-vidya.de/Ganesha

Göttin Parvati:

https://wiki.yoga-vidya.de/Parvati

Brahma, Vishnu und Shiva -- die drei indischen Götter, Trimuti:

https://www.indien-fieber.de/brahma-vishnu-shiva

Der heilige Berg Shiva´s, Kailash:

https://wiki.yoga-vidya.de/Kailash

Vishnu:

https://wiki.yoga-vidya.de/Vishnu





18 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

beschützen

Es glitzert und es schimmert. Kanten sind scharf. Ich will es anfassen, aufheben. Wie konnte sowas entstehen? Die Frage schwebt im Kopf. Da. Ich sehe noch anderes. Steinige Stufen des Schiefers. Abwec

Der heilige Baum

Einst habe ich gehört, dass es irgendwo in einem fernen Land in Asien ein Mann gab, der zwar wunderbar sprechen konnte, doch das Schreiben und Lesen hatte er nie gelernt. Seine Eltern, seine Lehrer –

das Kind in Mir

Verwirrung ist da. Konkrete Antworten auf Fragen auch. Es macht Spaß. Das was ich tue, bin sicher, geborgen. Manches ist dunkel noch da, sehe manchmal den Regenbogen nicht, auch wenn die Sonne scheint

© 2020 by Monalitha. Proudly created with Wix.com